7 Etappen, 600 km, 20.000 Höhenmeter und 1200 Teilnehmer, das sind die nackten Zahlen der Craft Bike Trans-Alp 2014. Gefahren wird das größte europäische Mountainbike-Etappenrennen dabei in 2er Teams, wobei die Fahrzeit des zweiten Fahrers als Teamzeit zählt. Dies bedeutet man unterstützt sich gegenseitig, um im Ziel die bestmögliche Zeit zu erreichen. Eine besondere Kategorie ist dabei die Mixed-Wertung. Wie der Name schon sagt besteht ein solches Team aus einem weiblichen und einem männlichen Teil. Ich hatte in diesem Jahr die Ehre mit der amtierenden deutschen Meisterin Silke Schmidt als „Team Herzlichst Zypern 1“ gemeinsam an den Start zu gehen und dort war auch gleich klar, wer diese Kategorie gewinnen wird: das Team Ergon-Topeak mit den beiden Briten Sally Bigham und Ben Thomas waren klar die Favoriten. Außerdem standen mit den Vorjahressieger Team „Mountain-Heroes Mixed“, dem Team „Rocky Mountain“ und dem Team „Black Tusk“ einige Kandidaten für Podiumsplatzierungen an der Startlinie in Oberammergau.

1. Etappe: Oberammergau – Imst, 98 km, 2215 Hm

Strahlender Sonnenschein begleitet uns am ersten Tag und das Highlight dieser Etappe war der Anstieg zum Marienbergjoch. Ab der Mittelstation war dieser Anstieg einfach nur noch brutal steil und ich verfluchte meine 1x11-fach Übersetzung. Mit einer Trittfrequenz von geschätzten 30 Umdrehungen die Minute drückte ich mich diesen Anstieg hoch. Doch wir sind gefahren. Später zu sehen, dass selbst die Etappensieger von Ergon-Topeak hier schieben mussten, machte mich ein bisschen stolz. Leider stürzte Silke hier in der ersten Kurve der Abfahrt aufs Knie. Doch wir kamen, dann doch von Regenschauer begleitet in Imst an.

2. Etappe: Imst – Nauders, 87km, 2900 Hm

Und es hörte nicht auf zu regnen… 10°C im Tal, 5°C auf den Gipfeln. Schon auf den ersten Metern nach dem Start begannen meine Zähne zu schlottern und ich freute mich heute auf die Anstiege, damit mir endlich ein wenig wärmer wird. Am Start versuchten wir die Gruppe um Sally Bigham und Ben Thomas mit allen Kräften zu halten. Was uns allerdings nicht gelang und die Quittung für diesen Kraftakt bekamen wir dann auf dem letzten Drittel der Etappe… Uns verließen beide die Kräfte, so dass das Team Mountain Heroes uns ein- und kurz vor dem Ziel auch überholte. Platz 3 heute mit 1 Sekunde Rückstand. Im Ziel spürte ich aufgrund der Nässe und Kälte meine Hände nicht mehr und erst nach der schnellen warmen Dusche in Radklamotten, kam das Gefühl zurück. Übrigens kamen 150 Teilnehmer an diesem Tag nicht in Ziel.

3. Etappe: Nauders – Naturns, 100 km, 3365 Hm

Königsetappe! Start schon um 8 Uhr. Und es regnete wieder… Doch zumindest die Aussichten versprachen Sonne in Italien. Vom Start an steuerten wir gleich unser eigenes Tempo an und ließen die anderen ziehen. Nach dem ersten Pass waren wir dann Italien angekommen und mit der Sonne kam auch unsere Motivation zurück. Zu dem zauberten 10 km feinste Wanderpfade bei uns ein Grinsen ins Gesicht.  Silke war richtig gut drauf und wir machten unseren Anspruch auf den 2. Platz klar: 20 Minuten Vorsprung auf Platz 3 und „nur“ 3 Minuten auf die britischen Profis verloren.

 4. Etappe: Naturns – Sarntal, 73 km, 2650 Hm

Die Sonne hielt und auf dem Plan standen 33 km „Anfahrt“ zum längsten Anstieg des Jahres: knapp 1700 Hm am Stück hinauf, um sich auf der anderen Seite über extra neu angelegte Pfade ins Sarntal zu stürzen. Auf der Abfahrt brannten mir die Unterarme mehr, als hinauf die Beine und ich dachte, dass mir mein Rad in mindestens 2 Teile zerbrechen wird. Silke ließ es in den Downhills richtig „krachen“ und wir kamen wieder auf dem 2. Platz ins Ziel.  

 5. Etappe: Sarntal – Kaltern, 67 km, 2800 Hm

Eine kurze Etappe, doch an der Relation von Kilometer zu Höhenmeter war klar, dass dies kein Zuckerschlecken wird. Außerdem regnete es wieder. Direkt vom Start fuhren wir von 1000 Hm auf 2000 Hm hinauf und alleine bei der Beschreibung der Abfahrt brannten mir schon wieder die Unterarme: 1800 Hm am Stück hinab über Pfade und alte Karrenwegen. Hier lagen uns fußballgroße Felsen und Kopfsteinpflaster im Weg rum und dazwischen floss das Wasser mit uns den Berg hinunter.  Da die Zeitabstände schon deutlich waren, war Vorsicht geboten, um ja keine Defekte zu riskieren und so kamen wir auch wieder als 2. des Tages nach Kaltern.

 6. Etappe: Kaltern – Trento, 98 km, 2900 Hm

Etappensieg – der Wahnsinn!!! Auch wenn die Gegenwehr von Sally und Ben gering war und sie uns somit diesen Sieg „schenkten“, muss man sich auch Geschenke verdienen. Das Grinsen im Gesicht verging mir dann aber spätestens beim Lesen des Wetterberichts…

 7. Etappe: Trento – Riva del Garda , 63 km, 2300 Hm

 

Zwar lagen nur noch zwei Berge zwischen uns und dem Ziel, doch einfach war diese letzte Etappe nicht. Der Wettergott hat es nicht gut mit uns gemeint: Es Schüttete ohne Ende. Die Wege haben sich über Nacht in Bäche verwandelt. Doch wir kämpften uns durch und auch heute landeten wir wieder ohne Defekt auf dem 2. Platz.

 30 Stunden und 52 Minuten saßen wir in diesen 7 Tagen auf dem Rad und landeten mit 45 Minuten Rückstand und 1 Stunde und 20 Minuten Vorsprung auf dem 2. Platz. Bei der rein männlichen Kategorie wären wir übrigens 21. geworden und in den letzten Jahren wäre nie ein Mixed-Team unter den ersten 30 Männern platziert gewesen. Ohne das Team hinter dem Team wäre es wohl nicht so erfolgreich gewesen, daher danke an unsere Supporter Angela Huwig, Familie Schmidt und Heinz Zorko, die uns unterwegs mit Trinkflaschen, Gels, Riegel und Regenjacken versorgten.

Das KIOLOGIQ-Team gratuliert den beiden nochmals herzlich zu ihrer tollen Leistung!